Teil 11: Beaune - Nuits St. Georges (Mit Umweg durch die Berge) 25 km 1:30h

Bericht von Reinhard Altfelder,
Fotos vom Burgundforum.
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Wir hatten nun noch zwei Tage bis ins nur 40 km entfernte Dijon und wollten die natürlich noch so ausgiebig wie möglich nutzen. Der Morgen war für eine Besichtigung von Beaune vorgesehen. Das Hotel hatte uns freundlicherweise ein Zimmer bis zum Mittag überlassen, so dass wir unbeschwert von Gepäck in die Stadt fahren konnten. Erstes Ziel in Beaune und unbestrittener Höhepunkt jeder Burgundreise ist der Besuch des Hotel Dieu. Siehe hierzu auch http://www.hospices-de-beaune.com/de/hospices/index.php . Dieses wunderschöne Beispiel burgundischer Architektur wurde 1443 von Kanzler Nicolas Rolin und seiner dritten Frau Guigone de Salins als Krankenhaus gestiftet. Sie taten das für die Rettung ihrer Seelen und in der Hoffnung, sich damit Schätze im Himmel zu erwerben. Zur Zeit des Baus herrschten dunkle Zeiten in Burgund. Beaune hatte in Folge des hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und England unter plündernden Soldatenhorden gelitten, die ganz Frankreich in Chaos gestürzt hatten. Auf schlechte Ernten folgten Hungersnöte und die Pest hatte schon vorher viele Opfer gefordert. Die bestehenden Hospitäler waren nicht mehr in der Lage, sich der Massen von Kranken und Leidenden anzunehmen. Der neue Krankensaal in Gestalt eines weiten offenen Kirchenschiffs mit hölzernem Tonnengewölbe als Decke konnte dreißig Bettkabinen an den Längswänden aufnehmen. Am vorderen Ende des Saales war zu der Zeit das Polyptychon "Das Jüngste Gericht" hinter einem Altar in einer Kapelle aufgestellt. Diese war durch eine offene holzgeschnitzte Barriere von dem Krankensaal getrennt, so daß die Kranken von Ihrem Bett aus dem Gottesdienst folgen konnten.
Solange das Bild in der Kapelle hing, war es Tradition, die Seitenflügel an Sonntagen und kirchlichen Feiertagen zu öffnen. An gewöhnlichen Tagen waren nur die Rückseiten der Flügel sichtbar. Vorder- und Rückseite des Polyptychons sind heute getrennt von einander in einem separaten Raum ausgestellt, ein wahres Wunder mittelalterlicher Malerei des Malers Rogier van der Weyden. Eine gute Vorbereitung auf diese Besichtigung ist ein Besuch des Wallraf Richartz Museums in Köln, wo ein berühmtes Bild Stefan Lochners zum gleichen Thema zu sehen ist.

Der Bout du Monde in den Hautes-Côtes (bei Nolay)
Der ganze mittelalterlicher Krankenhausbau blieb unzerstört erhalten und diente - ausgestattet mit modernen Pflegeeinrichtungen - bis 1971 seiner ursprünglichen Bestimmung. Heute ist er nur noch Museum und nimmt auch Ausstellungen und Veranstaltungen auf. Neben dem Hotel Dieu gibt es noch andere sehenswerte Architektur in Beaune, die den weiteren Gang durch die Stadt lohnend machte.

Das nur 17km entfernte Nuits-St.Georges war unser nächstes Ziel . Den direkten Weg vermeidend, haben wir uns auf die Landstraße Richtung Savigny les Beaune begeben, die später über Pernand Verglesses in die Berge führt. Am Anfang folgt die Straße einer alten Eisenbahntrasse, aber später geht es da, wo die Eisenbahn einen Tunnel nutzte, steil bergauf. Schnell ließen wir die Weingärten hinter uns und trafen auf Felder mit Beerensträuchern, deren Früchte später den Creme de Cassis und Creme de Framboise verfeinern. Amateurrennradfahrer, die das Wochenende nutzten, kamen uns in großen Pulks mit atemberaubender Geschwindigkeit den Berg hinunter entgegen. Über Arcenant kommt man dann in einer gewaltigen Abfahrt nach Nuits-St.Gorges. Hier hatten wir uns vorgenommen, endlich mal eine Weinprobe zu genießen. Diese bestand dann aus einem lieblos geführten Gang durch einen großen Keller mit vielen Eichenfässern, und anschließend zweier winziger Proben von einem allerdings köstlichem Tropfen des örtlichen Premier Cru. Die Preise von 20 bis 50€ pro Flasche lassen einen in Ehrfurcht erstarren, und die Versandkosten von 50€ für eine 12er Kiste trugen ein übriges dazu bei uns von einem Kauf Abstand nehmen zu lassen. Dann ist man auch schnell wieder draußen. Ich hätte es fairer gefunden, wenn die Weinprobe als solche zu bezahlen gewesen wäre mit dem Recht auf ein bestimmte Anzahl Proben und ohne Verpflichtung zum Kauf. In einem Straßencafe mit einem netten Wirt, der auch besseren Wein glasweise aus der örtlichen Produktion anzubieten hatte, haben wir dann bei einem kurzen Abendessen den Tag beschlossen.

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Teil 1: Dijon - Châteauneuf en Auxois 43 km 2:55 h

Teil 2: Châteauneuf en Auxois - Semur 104 km 5:27h

Teil 3: Semur - (St. Pére) Vezelay 65,5 km 4:20 h

Teil 4: St.Père - Lac des Settons 52,7km 3 :40 h

Teil 5: Lac des Settons - Pouilly 56,5 km 3 :25h

Teil 6: Pouilly - Chalons sur Saône 78 km (wegen Panne mit Auto zurückgelegt)

Teil 7: Chalon sur Saône - Cluny 70,4 km 4 :15h

Teil 8: Cluny - Pont de Vaux 60 km 4:05h

Teil 9: Pont de Vaux - St.Martin en Bresse 74,8km 4:10 h

Teil 10: St. Martin en Bresse - Beaune 71,17km 4:30 h

Teil 11: Beaune - Nuits St. Georges (Mit Umweg durch die Berge) 25 km 1:30h

Teil 12: Nuits St. Georges - Dijon (mit Umweg durch die Berge) 45,5 km 3 :00h

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